Neubau Verwaltungsgebäude

Fakten zum Hochwasserschutz beim Neubau des Verwaltungsgebäudes in St. Goarshausen

Foto: Höchste Wasserstände Kaub

Die jeweils höchstgemessenen Wasserstände am Kauber Pegel zeigen, dass die neue Verwaltung hochwasserangepasst gebaut wird, weil sie bis zu einem Wasserstand von etwa 9,19 m hochwasserfrei bleiben wird. Dann jedoch herrscht ein Katastrophenszenario im Mittelrheintal, was sich niemand ausmalen möchte. 


Auch wenn einige darüber schmunzeln mögen, dass die neue Verwaltung im Hochwassergebiet gebaut wird, ist zunächst entscheidend, dass es hierbei auf die konkrete Höhenlage des Gebäudes ankommt, denn schließlich liegen alle zentralen und durch ÖPNV erschließbaren Grundstücke in St. Goarshausen nun einmal im Überschwemmungsgebiet. „Und da wird es gerade diejenigen, die hier unken vielleicht überraschen, dass beide alten Standorte in der Dolkstraße 3 und 19, die nach Umzug aufgegeben werden, nicht nur stärker vom Hochwasser betroffen sind, als der neue – vor allem das alte Hauptgebäude Dolkstraße 3 liegt sogar weitaus tiefer als der Neubau“, betont Bürgermeister Mike Weiland.

Der aktuelle Höchststand am 26. Februar 2026 lag am Pegel Kaub bei 4,87 m. Das aktuelle Geländeniveau im Baufeld des Neubaus würde erst bei rund 5,45 m überschwemmt, jedoch ist dies noch nicht die endgültige Höhe, denn die künftigen Mitarbeiterparkplätze (Carport) unter dem Gebäude werden erst bei einem Kauber Pegel von etwa 5,95 m überflutet. Hierbei entstehen jedoch aufgrund der hochwasserangepassten Bauweise später weder größere Schäden noch Einschränkungen im Tagesbetrieb, außer, dass die Autos dann eben nicht unter dem Gebäude parken können. Die Bodenplatte des neuen Verwaltungsgebäudes steht aufgrund ihrer aufgeständerten Bauweise auf Pfeilern und sogar auf einem Niveau, das erst bei etwa 8,62 m Kauber Pegel erreicht würde; die Oberkante der Bodenplatte mit dem Fußboden im Inneren des Gebäudes würde erst bei ca. 9,19 m Kauber Pegel überschwemmt und das Hochwasser würde ins neue Verwaltungsgebäude eintreten. Zum historischen Vergleich - die höchstgemessenen Werte des Rheinhochwassers lagen bei 1993: 7,66 m, 1995: 7,80 m, 1988: 8,19 m, 1883: 8,25 m (höchster je gemessener Wert).

Foto: Kauber Pegel 445 cm

Kauber Pegel bei 445 cm
Der Wasserstand der vergangenen Tage, hier eine Aufnahme bei einem Rheinwasserstand von 4,45 m Kauber Pegel bietet Gelegenheit, einige Fakten zum Hochwasserschutz zum neuen Verwaltungsgebäude im Vergleich zum bisherigen Standort an der Dolkstraße 3 darzustellen.


„Nur aufgrund seiner hochwasserangepassten Bauweise hat das neue Verwaltungsgebäude überhaupt eine Baugenehmigung erhalten und liegt damit deutlich über der 100-jährigen Hochwasserlinie, für die es beim Kauber Pegel bis heute offiziell nicht einmal einen Wert gibt. Und damit liegt der Neubau auch ganz klar über dem bislang höchsten gemessenen Pegelstand“, so Mike Weiland. Bis zu einem Wasserstand von 9,19 m Kauber Pegel wäre das Gebäude im Inneren also hochwasserfrei. „Was aber ein solcher Pegelstand für das gesamte Mittelrheintal bedeuten würde, möchte ich mir aufgrund der dann herrschenden Katastrophensituation gar nicht ausmalen“, zeigt sich der Bürgermeister besorgt.

Anders stellte sich die Situation dagegen am bisherigen Standort in der Dolkstraße 3 im alten Hauptgebäude der Verwaltung dar: Beim Hochwasser 1988 stand dort das Wasser bei einem Kauber Pegel von 8,19 m rund 30 Zentimeter im Erdgeschoss. Die Verwaltung war nicht arbeitsfähig, es entstanden erhebliche Folgekosten. Noch heute erinnert eine Markierung im Gebäude an den damaligen Wasserstand. „Der Unterschied ist damit klar: Das alte Gebäude liegt deutlich tiefer. Der Neubau ist hochwasserangepasst konstruiert und hätte ohne diese Bauweise niemals eine Genehmigung erhalten“, betont der Bürgermeister. Selbst zu den wenigen und Gott sei Dank seltenen Tagen, an denen das Gebäude bei extremem Hochwasser nicht unmittelbar erreichbar sein sollte, weil die Bundesstraße ab etwa einem Kauber Pegel von 6,98 m überschwemmt wird, bleibt die Verwaltung handlungsfähig, zum einen durch mobiles Arbeiten, zum anderen durch den Verwaltungsstandort in Braubach, der gemäß Fusionsgesetz mit einem Bürgerbüro aufwartet.

Auch die Standortwahl basiert auf einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Mit der hohen Bodenplatte werden künftig hohe Folgekosten durch Hochwasserschäden vermieden. Zudem war dieses Grundstück der einzig verbleibende, halbwegs zentrale Standort in St. Goarshausen, der bebaubar war. Aufgrund der gesetzlichen Bindung an den Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde in Sankt Goarshausen kam auch kein Grundstück beispielsweise in einer anderen Gemeinde als Bauplatz in Betracht. Am Bestandsstandort Dolkstraße 3, der wie bereits beschrieben, zudem noch tiefer liegt, wäre laut Gutachten ein Gebäude, das den Zukunftsanforderungen der Verwaltung entspricht, unter anderem aufgrund der zu geringen Grundstücksfläche, der zu teuren Realisierung von ausreichenden Parkplätzen und aufgrund der nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten verbundenen mehrstöckigen Bauweise weder realisierbar gewesen, noch hätte es den Vorgaben des Hochwasserschutzes und des Welterbes an dieser Stelle entsprechen können. Alle potenziellen Grundstücke im Stadtgebiet liegen im Hochwasserbereich – der neue Standort ist jedoch deutlich weniger betroffen als der bisherige und der neue Standort ist bereits heute an den Bus-ÖPNV angebunden.