ärztliche Versorgung

Verblasst – aber erfolgreich: Verbandsgemeinde Loreley erneuert Ärzte-Bannerkampagne


Seit 2022 werben sie mit dem Slogan „Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen“ für den Gesundheitsstandort im Welterbe Oberes Mittelrheintal – und haben seither zahlreiche Kontakte zu Medizinerinnen und Medizinern ausgelöst. „Ich hätte nie gedacht, dass wir mit meiner Idee, die ich damals dem von mir initiierten Runden Tisch Gesundheit unterbreitet habe, so viele gute Kontakte und Gespräche führen können“, so Mike Weiland heute.

Für den Bürgermeister ist das ein Grund, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen: „Die Banner sind inzwischen etwas verblasst, aber sie haben ihren Zweck erfüllt. Wir haben viele Rückmeldungen erhalten, Gespräche geführt und auch konkrete Verbesserungen erreicht. Deshalb starten wir jetzt mit neuen Bannern in die nächste Runde.“

Erste sichtbare Erfolge

Dass aus einer Idee konkrete Verbesserungen entstehen können, zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre. Aus Kontakten, die auch über die Bannerkampagne zustande kamen, konnten bereits zwei neue Ärztinnen für die Region gewonnen werden. Die jüngste Entwicklung zeigt, wie konkret solche Kontakte werden können: Eine Ärztin, die Bürgermeister Mike Weiland über die Bannerkampagne kennengelernt hatte, wurde erst im Januar in einem gemeinsamen Gespräch mit dem Internisten Manuel Molitor zusammengebracht. Das Ergebnis: Sie wird noch im Frühjahr in Vollzeit in der Praxis tätig werden. Und Manuel Molitor ist dankbar: „Solche Momente zeigen, dass sich Ausdauer lohnt.“ Er ist derselben Meinung wie Mike Weiland: „Manchmal braucht es mehrere Gespräche und die richtigen Kontakte – aber wenn es gelingt, ist das ein echter Gewinn für die medizinische Versorgung.“

Arzt Molitor und Bürgermeister mit neuem Banner
Die Banner haben seit 2022 bereits viele gewinnbringende Gespräche für die hausärztliche Versorgung gebracht – zuletzt konnte erneut eine neue Ärztin, die das Team der Praxis Rheinstraße in Nastätten in Vollzeit verstärken und damit perspektivisch auch die Sprechtage und -zeiten in der neuen Zweigpraxis in St. Goarshausen ausweiten wird, von Mike Weiland (rechts) an das Team um Manuel Molitor (links) vermittelt werden. Neue Banner unterstreichen ab sofort den erfolgreichen Weg.


Mehr Möglichkeiten auch für St. Goarshausen

Die neue Ärztin wird in der Hausarztpraxis Rheinstraße in Nastätten arbeiten, die von Manuel Molitor gemeinsam mit Olga Molitor und Susanne Schmelzeisen betrieben wird. Die Praxis hat im Oktober 2025 bereits eine Zweigstelle in St. Goarshausen eröffnet. Durch die personelle Verstärkung eröffnen sich nun auch dort neue Perspektiven. „Mit der zusätzlichen Ärztin können wir unsere Kapazitäten insgesamt erweitern“, erklärt Manuel Molitor. „Damit besteht perspektivisch auch die Möglichkeit, die Sprechzeiten und Sprechtage in unserer Zweigstelle in St. Goarshausen weiter auszubauen.“ Auch organisatorisch wurde das Team gestärkt: Eine Mitarbeiterin hat inzwischen erfolgreich ihre Prüfung zur Primary Care Managerin abgelegt und unterstützt nun das Team bei Voruntersuchungen sowie bei der Koordination der Patientenversorgung. „Ich lebe selbst in der Verbandsgemeinde Loreley und kenne viele Menschen hier aus meiner Tätigkeit als Feuerwehrarzt“, sagt Manuel Molitor. „Deshalb ist es mir wichtig, dass die medizinische Versorgung vor Ort stabil bleibt. Wenn man gemeinsam an Lösungen arbeitet, kann man wirklich etwas bewegen.“

Viele Gespräche – nicht jeder Versuch führt zum Ziel

Neben den erfolgreichen Vermittlungen hat die Verbandsgemeinde inzwischen weit über zehn interessierte Ärztinnen und Ärzte kennengelernt und Gespräche geführt. Nicht jede Kontaktaufnahme führte am Ende zu einer Niederlassung – ein Umstand, der in Zeiten bundesweiten Ärztemangels nicht überrascht. „Der erste Schritt für mich ist immer, herauszufinden, mit welcher Erwartungshaltung die Interessenten nach dem Blick auf die Banner an uns herantreten. Wollen sie sich anstellen lassen oder in Selbstständigkeit arbeiten? Gilt es aufgrund von ausländischer Herkunft zunächst Sprachbarrieren und Zulassungshürden mit der Ärztekammer oder der Kassenärztlichen Vereinigung zu überwinden? „Obwohl die hausärztliche Versorgung nicht originäre Aufgabe einer Verbandsgemeinde ist, investieren wir sehr viel Zeit in Interessenten, weil uns die Heimat und die Menschen, die hier wohnen und deren Gesundheitsversorgung natürlich am Herzen liegen“, gesteht Mike Weiland und er betont: „Gerade bei der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum ist es wichtig, jede einzelne Chance zu nutzen.“ Natürlich könne nicht jedes Gespräch sofort zu einer neuen Praxis führen. „Aber aus vielen Kontakten entstehen Netzwerke und Perspektiven, die wir auch in Zukunft nutzen können“, so Weiland weiter.

Unterstützung weit über Werbung hinaus

Die Verbandsgemeinde beschränkt sich dabei nicht nur auf Öffentlichkeitsarbeit. In den vergangenen Jahren hat sie zahlreiche Versuche unternommen, konkrete Rahmenbedingungen für eine Niederlassung zu schaffen. So wurden Grundstücke vermittelt, Bauvoranfragen begleitet, Wohnhäuser vermittelt, wenn Ärzte in die Region ziehen möchten, und auch Versuche unternommen, bestehende Praxisräume aktiv an mögliche Nachfolger zu vermitteln. „Leider hat nicht jeder dieser Ansätze am Ende zum Erfolg geführt, denn es muss ja auch zwischen Vorgänger und Nachfolger passen. Das liegt nicht in der Hand der Verbandsgemeinde“, sagt Mike Weiland. „Aber gerade bei der hausärztlichen Versorgung ist es wichtig, jeden einzelnen Ansatz zu verfolgen.“ Auch aktuell hat die Verbandsgemeinde wieder Unterstützung angeboten: Bei der Suche nach weiteren Ärztinnen und Ärzten für eine Praxis, die in der Region entstehen soll, hat Bürgermeister Weiland Hilfe bei der Vermittlung von Kontakten zugesagt. Zudem steht die Verwaltung bereit, bei Bedarf Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung zu begleiten oder zu initiieren. „Wir verstehen uns als Partner und Unterstützer“, so der Bürgermeister. „Wenn wir mithelfen können, Hürden abzubauen oder Kontakte herzustellen, dann tun wir das.“ Dabei braucht es mitunter auch viel Geduld.

Der „Runde Tisch Gesundheit“ als Motor

Ausgangspunkt der Initiative war der von Bürgermeister Mike Weiland ins Leben gerufene „Runde Tisch Gesundheit“. Dort tauschen sich Ärzte, Zahnärzte, Apotheker sowie Physiotherapeuten über die medizinische Versorgung in der Region aus. Zuletzt wurde auch die Gemeindeschwester Plus und die Kassenärztliche Vereinigung eingebunden. In dieser Runde unterbreitete Weiland 2022 die Idee zur Bannerkampagne – und zum Imagefilm „Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen“, der seither für die Verbandsgemeinde Loreley als attraktiven Wohn- und Praxisstandort wirbt.

Neuer Imagefilm möglich – mit den Menschen aus der Region

Anfang 2025 kam beim Runden Tisch die Idee für eine Neuauflage des Films. Entscheidend wäre dabei die Beteiligung der Menschen, die den Gesundheitsstandort Loreley prägen. „Die besten Botschafter für unsere Region sind die Menschen, die hier bereits arbeiten“, sagt Mike Weiland. „Wenn Ärzte, der Apotheker, Zahnärzte oder Physiotherapeuten selbst zeigen, warum sie gerne hier tätig sind, wirkt das authentischer als jede klassische Werbung.“ Die Verbandsgemeinde lädt deshalb alle aus dem Gesundheitsbereich ein, sich an einer möglichen Neuauflage zu beteiligen.

Mit den neuen Bannern und der Perspektive eines neuen Imagefilms setzt die Verbandsgemeinde Loreley ihren Weg fort, aktiv für eine gute medizinische Versorgung zu arbeiten. „Unsere Region bietet eine außergewöhnliche Lebensqualität im Welterbe Oberes Mittelrheintal“, so Bürgermeister Mike Weiland. „Wir wollen Ärztinnen und Ärzten zeigen: Hier lässt sich nicht nur hervorragend leben – hier kann man auch eine erfüllende medizinische Arbeit leisten.“

Die Banner haben seit 2022 bereits viele gewinnbringende Gespräche für die hausärztliche Versorgung gebracht – zuletzt konnte erneut eine neue Ärztin, die das Team der Praxis Rheinstraße in Nastätten in Vollzeit verstärken und damit perspektivisch auch die Sprechtage und -zeiten in der neuen Zweigpraxis in St. Goarshausen ausweiten wird, von Mike Weiland (rechts) an das Team um Manuel Molitor (links) vermittelt werden. Neue Banner unterstreichen ab sofort den erfolgreichen Weg.

Foto: Sandra Schmelzeisen