Zukunftsgespräch

34. Zukunftsgespräch der Verbandsgemeinde Loreley: Neue Wege in der Bestattungskultur in Rheinland-Pfalz


Staatsminister Clemens Hoch (links) und Bürgermeister Mike Weiland (rechts) beim 34. Zukunftsgespräch, das ganz im Zeichen der neuen Bestattungskultur in Rheinland-Pfalz stand
Staatsminister Clemens Hoch (links) und Bürgermeister Mike Weiland (rechts) beim 34. Zukunftsgespräch, das ganz im Zeichen der neuen Bestattungskultur in Rheinland-Pfalz stand.


Zahlreiche Interessierte waren der Einladung gefolgt – darunter insbesondere Bestattungsunternehmen sowie Reeder aus der Verbandsgemeinde, die künftig Flussbestattungen auf dem Rhein anbieten möchten. Das große Interesse zeigte: Das Thema trifft den Nerv der Zeit.

Mehr Selbstbestimmung und neue Bestattungsformen

Mit der Reform des Bestattungsgesetzes reagiert das Land Rheinland-Pfalz auf gesellschaftliche Veränderungen und den Wunsch vieler Menschen nach individuellerer Abschiedskultur. Staatsminister Hoch erläuterte in seinem Impulsvortrag die zentralen Neuerungen: „Wir schaffen mehr Freiheit bei der Wahl der Bestattungsform und stärken zugleich die Würde und den Schutz der Verstorbenen“, betonte er.

Zu den wesentlichen Änderungen zählen unter anderem erweiterte Möglichkeiten für Urnenbeisetzungen, etwa in naturnahen Bestattungsformen, Erleichterungen für Seebestattungen, die nun rechtlich klarer geregelt sind, Perspektiven für Flussbestattungen, die insbesondere für Regionen wie das Mittelrheintal neue Optionen eröffnen, sowie mehr Entscheidungsfreiheit für Angehörige, etwa bei der Gestaltung von Trauerfeiern. Außerdem gehören modernisierte Vorgaben zur Leichenschau und Dokumentation, um Verfahren zu vereinfachen und zugleich rechtssicherer zu machen, zu den Neuerungen. „Die Art und Weise, wie wir Abschied nehmen, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt“, erklärte Hoch. „Mit dem neuen Gesetz tragen wir diesem Wandel Rechnung – verantwortungsvoll, pietätvoll und zukunftsorientiert.“

Chancen für die Region Loreley

Für die Verbandsgemeinde Loreley eröffnen sich durch die Reform auch wirtschaftliche und touristische Perspektiven. Insbesondere die Möglichkeit von Flussbestattungen stieß auf großes Interesse bei Anwesenden. Der Rhein als prägendes Element der Region könne künftig auch Ort eines würdevollen Abschieds sein. Bürgermeister Mike Weiland begrüßte die Gesetzesänderung ausdrücklich: „Unsere Region ist eng mit dem Rhein verbunden. Wenn Menschen sich eine letzte Ruhestätte in dieser besonderen Kulturlandschaft wünschen, sollten wir dafür einen klaren und würdigen rechtlichen Rahmen haben.“ Zugleich betonte er, dass die Verbandsgemeinde die Entwicklungen konstruktiv begleiten werde. Bislang fehle es jedoch noch an einer entsprechenden Mustersatzung des Gemeinde- und Städtebundes, um auch den Gemeinden für deren Friedhofssatzungen Hilfestellung leisten zu können.

In der anschließenden Fragerunde wurden praktische Fragen diskutiert – etwa zu Genehmigungsverfahren, ökologischen Auflagen und zur Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Bestattungsunternehmen und Schifffahrtsbetrieben. Staatsminister Hoch zeigte sich offen für Anregungen aus der Praxis: „Gesetzgebung lebt vom Dialog. Gerade deshalb sind Formate wie das Zukunftsgespräch so wichtig.“ Und der Minister betonte immer wieder, man sei in Absprache mit den Fachverbänden, aber auch den Kirchen hier einen modernen Schritt in Richtung Zukunft gegangen. Der Staatsminister war sich aber sicher, dass dies auch nur der Anfang sei, weil man durchaus auch noch weitere Schritte hätte ergreifen können, die aber im Rahmen des gesetzlichen Anhörungsverfahrens noch keine Zustimmung von Fachkreisen erhielten. Die Zeit werde weitere liberale Veränderungen mit sich bringen, war sich Clemens Hoch sicher.

Dialog auf Augenhöhe

Das Zukunftsgespräch bot erneut eine Plattform für sachliche Information und offenen Austausch. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, individuelle Anliegen vorzubringen oder konkrete Szenarien zu schildern. Deutlich wurde dabei, dass das Bedürfnis nach persönlicher Gestaltung und alternativen Bestattungsformen stetig wächst. Zum Abschluss dankte Bürgermeister Weiland dem Staatsminister für seinen Besuch und die Bereitschaft zum Dialog: „Es ist ein starkes Signal, wenn Landespolitik vor Ort erklärt, zuhört und diskutiert. Das schafft Vertrauen.“ Sowohl Bürgermeister als auch Staatsminister sagten zu, sich unmittelbar zu noch offenen Fragen zur Flussbestattung an die zuständige Genehmigungsbehörde, die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, wenden zu wollen, was beispielsweise Mike Weiland bloß zwei Tage später bei einem Gespräch mit dem Präsidenten der Behörde auch gleich umsetzte. Die Teilnehmenden des Zukunftsgesprächs erhielten sodann postwendend die Antworten auf die offenen Fragen per Mail. „So verstehe ich nach dem Zukunftsgespräch Bürgernähe und Wirtschaftsförderung im Sinne der teilnehmenden Unternehmen“, so Mike Weiland und die Verbandsgemeinde Loreley setzte damit ein weiteres Zeichen für Bürgernähe und die aktive Begleitung gesellschaftlicher Entwicklungen – auch in sensiblen Bereichen wie der Bestattungskultur.