Zukunftsgespräch

37. Zukunftsgespräch der Verbandsgemeinde Loreley


Wenn draußen die Temperaturen steigen, Starkregen vom Himmel kommt oder ein Sturm über die Dächer zieht, zeigt sich schnell, wie gut ein Gebäude auf solche Wetterlagen vorbereitet ist. Was Eigentümer bereits beim Bauen und Sanieren tun können, um ihr Zuhause widerstandsfähiger und gleichzeitig energieeffizienter zu machen, stand im Mittelpunkt des 37. Zukunftsgesprächs der Verbandsgemeinde Loreley. Elisabeth Foit von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hatte dabei jede Menge praktische Tipps im Gepäck. Auf Einladung von Bürgermeister Mike Weiland informierte die Energieexpertin in einem Online-Vortrag darüber, wie Gebäude auf die häufiger auftretenden Wetterextreme vorbereitet werden können. Dabei ging es nicht nur um die klassische energetische Sanierung. Vielmehr wurde der Blick auf das gesamte Gebäude und seine Umgebung gerichtet: Wie lässt sich Hitze draußen halten? Wie kann Regenwasser auf dem eigenen Grundstück zurückgehalten werden? Was schützt bei Sturm? Und welche Maßnahmen werden gefördert?

Bürgermeister Mike Weiland begrüßte die Teilnehmer gemeinsam mit Klimaschutzmanager Hussam Shahoud Alnajm und erinnerte an die Starkregenereignisse des Jahres 2016 in der Verbandsgemeinde Loreley. Die Erfahrungen daraus hätten deutlich gemacht, wie wichtig Vorsorge sei. Die Verbandsgemeinde habe deshalb unter anderem ein Starkregen- und Hochwasservorsorgekonzept erstellen lassen und inzwischen auch ein neues Frühwarnsystem für Starkregen, Hitze und Sturm beauftragt. „Gerade der heiße Sommer und der Blick auf die aktuellen Wasserstände des Rheins zeigen uns, dass wir uns nachhaltig für die Zukunft rüsten müssen“, betonte Weiland. Klimaschutz und Klimaanpassung seien dabei keine abstrakten Themen, sondern beträfen ganz konkret auch die eigenen vier Wände.

Mehr heiße Tage, mehr Belastung für Gebäude

Elisabeth Foit zeigte zunächst auf, wie sich das Wetter verändert hat. Die Zahl der heißen Tage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad hat kontinuierlich zugenommen. Während es in den 1950er-Jahren durchschnittlich nur drei bis vier solcher Tage pro Jahr gab, waren es 2025 bereits elf. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 ist die mittlere Temperatur in Deutschland zudem um rund 2,5 Grad gestiegen. Für Gebäude bedeutet das: Was früher vielleicht als außergewöhnlicher Hitzetag galt, kann künftig häufiger auftreten. Hinzu kommen Starkregenereignisse, Trockenperioden und in Städten sogenannte Hitzeinseln. Für die individuelle Einschätzung des eigenen Standortes verwies Foit unter anderem auf den Hitzeatlas, den Dürreatlas und den Hochwasseratlas sowie auf Informationsangebote des Deutschen Wetterdienstes und die Warn-App NINA. Auch der sogenannte HydroZwilling des Landes Rheinland-Pfalz könne helfen, Starkregen- und Sturzflutszenarien sichtbar zu machen.

Was gegen die Hitze hilft

Eine wichtige Rolle spielt nach den Worten der Expertin die Gebäudehülle. Eine gute Dämmung schützt nämlich nicht nur im Winter vor Kälte, sondern hält im Sommer auch die Hitze länger draußen. Eine luftdichte Gebäudehülle, ein kompakter Baukörper und eine durchdachte Ausrichtung können zusätzliche Vorteile bringen. Besonders viel Aufmerksamkeit verdienen Fenster und Dachflächenfenster, die bei sommerlicher Hitze zu den Schwachstellen eines Gebäudes gehören. Außenliegende Verschattung durch Rollläden, Klapp- oder Schiebeläden kann den Wärmeeintrag erheblich reduzieren. Eine Markise kann ebenfalls einen beträchtlichen Teil der Sonneneinstrahlung abhalten. Sonnenschutzverglasungen oder Folien seien dagegen nicht immer die optimale Lösung, da sie auch im Winter die erwünschten solaren Gewinne reduzieren können. „Die beste Hitze ist die, die gar nicht erst ins Haus kommt“, lässt sich die Kernaussage des Vortrags zusammenfassen. Deshalb sollten gerade bei Neubauten auch auskragende Bauteile und Pufferzonen berücksichtigt werden, die direkte Sonneneinstrahlung auf Fenster verhindern. Auch Begrünung kann einen wichtigen Beitrag leisten. Eine Dachbegrünung speichert Regenwasser und kann bei entsprechender Ausgestaltung mit einer Photovoltaikanlage kombiniert werden. Eine Fassadenbegrünung kann durch Verschattung und Verdunstung die sommerliche Oberflächentemperatur deutlich reduzieren. Gleichzeitig entsteht ein zusätzlicher Schutz gegen extreme Temperaturen.

Regenwasser nicht zum Problem werden lassen

Ein weiterer Schwerpunkt war der Umgang mit Starkregen. Möglichst wenig versiegelte Flächen helfen dabei, dass Niederschlag direkt auf dem Grundstück versickern kann. Rasen, Rasengittersteine, offenfugige Pflasterungen oder andere durchlässige Beläge können dazu beitragen, die Kanalisation bei Starkregen zu entlasten. Je nach Grundstück können auch Mulden, Rigolen oder Sickerschächte eingesetzt werden. Besonders wichtig sei dabei, ausreichend Abstand zum Gebäude einzuhalten, damit die Vorsorge nicht selbst zum Wassereintritt ins Haus führt. Auch Regenwasser lässt sich nutzen – beispielsweise für die Gartenbewässerung. Eine einfache Regentonne könne dafür bereits ausreichen. Allerdings müsse darauf geachtet werden, dass sich darin keine Brutstätten für Mücken entwickeln.

Auch beim Sturm zählt Vorbereitung

Beim Thema Sturm gab Foit ebenfalls zahlreiche praktische Hinweise. Regenrinnen und Fallrohre sollten frei von Laub sein, Dachziegel und Dachanschlüsse regelmäßig kontrolliert werden. Auch Photovoltaikanlagen, Satellitenschüsseln und andere Aufbauten müssten sturmsicher befestigt sein. Fenster sollten bei Sturm geschlossen bleiben; Verbundsicherheitsglas, verstärkte Profile und Mehrfachverriegelungen können zusätzlichen Schutz bieten. Und auch rund ums Haus gilt: Gartenmöbel und andere lose Gegenstände sollten bei Sturm gesichert oder weggeräumt werden. Zäune, Carports und andere Konstruktionen sollten regelmäßig auf ihre Standfestigkeit überprüft werden.

Fördermöglichkeiten nicht ungenutzt lassen

Zum Abschluss ging Elisabeth Foit auch auf Fördermöglichkeiten ein. Unterstützt werden können unter anderem Maßnahmen zur Dämmung von Gebäudehüllen, der Austausch von Fenstern, Außentüren und Toren sowie Maßnahmen für den sommerlichen Wärmeschutz. Auch für Heizungsmodernisierungen stehen unterschiedliche Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Für bestimmte Förderprogramme, etwa im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude, ist die Einbindung eines zertifizierten Energieberaters erforderlich. Daneben gibt es Förderangebote der KfW, des Landes und teilweise auch von Kommunen. „Es lohnt sich, vor einer Sanierung genau hinzuschauen, welche Fördermöglichkeiten infrage kommen“, riet Foit. Die Verbraucherzentrale bietet hierzu auch individuelle Beratung an. Am Ende des 37. Zukunftsgesprächs dankte Bürgermeister Mike Weiland der Referentin für den ausführlichen und praxisnahen Vortrag. „Es waren viele konkrete Hinweise dabei, die man unmittelbar auf das eigene Haus und Grundstück übertragen kann“, so Weiland. Das Zukunftsgespräch habe damit gleichermaßen für Eigentümer, Mieter und Vermieter wertvolle Anregungen geliefert, wie sich Gebäude Schritt für Schritt besser auf die Wetterextreme der Zukunft vorbereiten lassen.

Fragen aus der Runde wurden beantwortet, aber die Verbraucherzentrale ist auch für individuelle Einzelgespräche da. Das Fördermittel-Telefon ist immer donnerstags zwischen 14:00 und 17:00 Uhr unter 0800 6075 600 kostenfrei aus allen Netzen erreichbar. Oder man schreibt eine Mail an energie@vz-rlp.de. Individuelle Beratung ist unter gleicher Telefonnummer montags von 9:00 bis 13:00 Uhr und von 14:00 bis 18:00 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 10:00 bis 13:00 Uhr sowie 14:00 bis 17:00 Uhr möglich.