Wenn es langsam dunkel wird, beginnt für Fledermäuse erst der eigentliche Arbeitstag. Beim 6. Verbandsgemeinde-Natur-Tag der Verbandsgemeinde Loreley konnten mehr als 50 Bürgerinnen und Bürger – darunter zahlreiche Kinder – jetzt selbst erleben, was in den Wäldern rund um Reitzenhain in der Dämmerung vor sich geht. Anlässlich der Europäischen Fledermausnacht hatten Bürgermeister Mike Weiland und Ortsbürgermeisterin Christine Obel gemeinsam mit dem Naturschutzexperten Manfred Braun und seiner Frau Ursula zu einem ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Abend auf das Gelände des Schützenvereins Reitzenhain eingeladen. „Die Natur ist direkt vor unserer Haustür – man muss manchmal einfach nur genauer hinschauen und hinhören. Genau das wollen wir mit unseren Natur-Tagen vermitteln“, begrüßte Bürgermeister Mike Weiland die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die bisherigen Veranstaltungen der Reihe hatten sich bereits ganz unterschiedlichen Lebensräumen und Naturthemen in der Verbandsgemeinde gewidmet. „Heute wird es besonders spannend, denn Fledermäuse sieht man nicht einfach so. Heute wollen wir sie mit allen Sinnen und vor allem mit technischen Helfern aufspüren“, so Weiland und er versprach hierbei allerhand Kurzweil, was sich schnell bewahrheiten sollte.
Manfred Braun, der als anerkannter Naturschutzexperte aus Nassau gemeinsam mit seiner Frau Ursula ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet hatte, erschien dabei stilecht selbst als übergroße Fledermaus „Manfred“ und nahm die Kinder und Erwachsenen von Beginn an mit. Eine Geschichte von einer Fledermaus, die sich beim Einkauf in einem Supermarkt in einer Tasche versteckt hatte, führte spielerisch zum Thema. Ein mutiges Kind durfte anschließend selbst in die Tasche greifen und eine Fledermaus hervorzaubern – wenn auch zunächst nur ein Kunststoffexemplar. Unter großem Applaus für den Mut war das Eis zwischen Manfred Braun und sämtlichen Teilnehmenden gebrochen.

Am Modell wurde anschaulich erklärt, wie eine Fledermaus aufgebaut ist, wie sie lebt und welchen Jahreszyklus sie durchläuft. Die Kinder und Erwachsenen waren dabei immer wieder aktiv eingebunden. Es ging um Nahrung, Lebensweise, Nachwuchs und die verschiedenen Arten. Immerhin sind in Rheinland-Pfalz 23 Fledermausarten nachgewiesen. Besonders spannend wurde es, als die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst Ultraschall-Detektoren ausprobieren durften. Damit lassen sich die für Menschen nicht hörbaren Rufe der Fledermäuse hörbar machen. Auch die Frage, wie sich die Tiere bei ihren schnellen nächtlichen Jagdflügen orientieren, wurde auf diese Weise eindrucksvoll erklärt.
Nach rund einer Stunde wartete noch eine kleine Abschlussprüfung auf die Gruppe, die mit Bravour gemeistert wurde. Dabei sorgte insbesondere die Frage, warum Fledermäuse kopfüber hängen und wie sie dies eigentlich bewerkstelligen, für viele Lacher. Der Vergleich mit dem Rückwärtsparken im Straßenverkehr machte die Funktionsweise anschaulich und sorgte für einen rundum gelungenen Abschluss des ersten Teils.
Als die Dämmerung schließlich eingesetzt hatte, wurde es ernst: Ausgerüstet mit Ultraschall-Detektoren ging es in die dunklen Ecken auf dem Gelände des Schützenvereins und in den angrenzenden Wald. Dort konnten verschiedene Fledermausarten geortet und bei ihren Jagdflügen beobachtet werden. Für die vielen Kinder wurde die Exkursion damit endgültig zum kleinen nächtlichen Abenteuer.
Nach rund zwei Stunden voller spannender Eindrücke endete der 6. Verbandsgemeinde-Natur-Tag. „Ich bin sicher, dass gerade die Kinder diesen Abend noch lange in Erinnerung behalten werden. Wenn aus einem Naturthema Begeisterung und vielleicht sogar ein bisschen Forscherdrang entstehen, dann haben wir genau das erreicht, was wir mit unseren Natur-Tagen wollen“, zog Mike Weiland ein positives Fazit. Mit einer Stempelkarte und einer Fledermaus aus Fruchtgummi für alle verabschiedeten sich Ursula und Manfred Braun unter großem Applaus. Ein besonderer Dank der Verbandsgemeinde Loreley gilt Manfred und Ursula Braun für die fachkundige und zugleich unterhaltsame Gestaltung des Abends sowie dem Schützenverein Reitzenhain, der sein Gelände zur Verfügung stellte und mit Sitzgelegenheiten für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Gelingen der Veranstaltung beitrug.