Zum Abschluss der Berufsinformationswoche der Loreley Realschule plus war Bürgermeister Mike Weiland auf Einladung der Schulleitung um Rektor Christian Schüler zu Gast, um mit der siebten Jahrgangsstufe über seinen eigenen schulischen und beruflichen Werdegang sowie die vielfältigen Aufgaben eines Bürgermeisters und der Verbandsgemeinde Loreley ins Gespräch zu kommen. Der passende Rahmen dafür war die erst in den Sommerferien für knapp 370.000 Euro sanierte und erweiterte Mensa der Loreleyschule. Nach der Begrüßung durch Rektor Christian Schüler sorgte Weiland gleich zu Beginn für eine lockere Atmosphäre: Er legte sein Jackett ab und bat die Schülerinnen und Schüler, die starren Stuhlreihen zu verlassen und sich in einem für sie angenehmen Halbkreis zusammenzusetzen. Seine Botschaft war klar: Fragen waren ausdrücklich erwünscht, niemand sollte sich scheuen, etwas anzusprechen.
Vom Wasserhahn bis zur Feuerwehr: Was macht eine Verbandsgemeinde eigentlich?
Um die Aufgaben der Verbandsgemeinde verständlich zu erklären, wählte Weiland Beispiele aus dem Alltag der Jugendlichen. Was passiert, wenn man zu Hause den Wasserhahn aufdreht? „Es kommt Wasser heraus“, lautete die naheliegende Antwort einer Schülerin. Damit war das Eis gebrochen. Der Bürgermeister erklärte, wie viel hinter dieser Selbstverständlichkeit steckt – von der Wasserversorgung bis zur Abwasserbeseitigung. Auch die Auswirkungen des Klimawandels und die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Wasser kamen zur Sprache. Anschließend ging es um die Feuerwehren, ihre Ausstattung und persönliche Schutzausrüstung, die Zusammenarbeit mit den Ortsgemeinden und ihren Räten sowie um die Schulen in der Verbandsgemeinde – von den Grundschulen bis zur Realschule plus. Auch das Standesamt durfte nicht fehlen. Wer weiß, was dort alles erledigt wird? Bei den Antworten zu Geburten, Eheschließungen und weiteren Aufgaben waren schnell zahlreiche Finger in der Luft. Weiland berichtete dabei auch, dass er selbst als Standesbeamter tätig ist und gelegentlich Paare traut.
Kein Acht-Stunden-Tag: Was den Bürgermeisterjob ausmacht
Besonders neugierig waren die Jugendlichen auf das Arbeitspensum eines Bürgermeisters. Eine klassische Arbeitswoche von Montag bis Freitag und von 8 bis 16 Uhr? Davon könne bei ihm keine Rede sein, erklärte Weiland. Abendtermine, Veranstaltungen und Wochenendverpflichtungen gehörten ebenso dazu wie die Arbeit während der regulären Verwaltungszeiten. Je nach Aufgabenlage komme er auf ein Vielfaches einer gewöhnlichen 40-Stunden-Woche. Auch über seinen eigenen Berufsweg sprach der Bürgermeister offen. „Nach dem Abitur 1997 absolvierte ich zunächst 13 Monate Zivildienst und anschließend eine kaufmännische Ausbildung bei der Deutschen Telekom. Nach einer kurzen Beschäftigungsphase dort wurde mir deutlich, dass Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft nicht immer dauerhaft sicher sind“, betonte Weiland. Deshalb entschied er sich für einen weiteren beruflichen Weg und absolvierte eine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten im gehobenen Dienst bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz. Dabei räumte Weiland mit einem Schmunzeln ein, dass er nach dem Abitur zunächst geglaubt hatte, den anstrengendsten Teil seiner Ausbildung bereits hinter sich zu haben. Studium und praktische Ausbildung im öffentlichen Dienst hätten ihn eines Besseren belehrt. Sein Rat an die Jugendlichen: „Genießt die Schulzeit, aber macht euch auch frühzeitig Gedanken darüber, wo eure Fähigkeiten und Interessen liegen.“ Schließlich sollte der spätere Beruf nicht nur den Lebensunterhalt sichern, sondern auch Freude bereiten. Wer später eine Familie gründen und Verantwortung übernehmen wolle, müsse sich überlegen, welchen beruflichen Weg er einschlagen möchte und wie sich dieser langfristig gestalten lässt.
Vom ehrenamtlichen Engagement zum gewählten Bürgermeister
Wie wird man eigentlich Bürgermeister? Auch diese Frage durfte nicht fehlen. Weiland erzählte, dass sein Weg ins Amt über viele Jahre ehrenamtlichen und politischen Engagements auf Gemeinde-, Verbandsgemeinde- und Kreisebene geführt habe. Neben Hobbys wie Radfahren und Wandern habe er sich unter anderem bei Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche eingebracht. Aus dem langjährigen Interesse an der Kommunalpolitik sei schließlich die Entscheidung entstanden, selbst als Bürgermeister zu kandidieren. Im Jahr 2020 konnte er das Amt durch das Votum der Wählerinnen und Wähler übernehmen. Gemeinsam besprachen die Jugendlichen, wie eine Bürgermeisterwahl funktioniert und wie lange eine Amtszeit dauert. Weiland betonte, dass er es als wichtigen Bestandteil der Demokratie schätze, sich nach acht Jahren erneut dem Votum der Bürgerinnen und Bürger stellen zu müssen. Interessant war auch die Frage, welche Werte ihm in seinem Amt besonders wichtig sind. Seine Antwort: authentisch bleiben, bürgernah handeln und stets mit den Menschen im Gespräch sein. Nur wer zuhöre, erfahre, wo den Menschen der Schuh drücke, was sie bewege und welche Lösungen vor Ort gebraucht würden. Und natürlich wollte ein Schüler wissen, was ein Bürgermeister verdient. Weiland reagierte mit einem Schmunzeln und beantwortete auch diese Frage transparent. Dabei erläuterte er, dass sich die Besoldung unter anderem nach der Größenordnung der Verbandsgemeinde richtet. Zugleich machte er deutlich, dass mit dem Amt eine große Verantwortung und ein erheblicher zeitlicher Einsatz verbunden sind.
Eine Unterrichtsstunde, die neue Perspektiven eröffnet
Die rund 45 Minuten vergingen wie im Flug. Die betreuende Lehrerin Antje Danhel, didaktische Koordinatorin der Loreleyschule, zeigte sich anschließend ebenso angetan vom Austausch wie die Schülerinnen und Schüler. Auch ein weiterer Lehrer berichtete, selbst neue Einblicke in den Alltag eines Bürgermeisters gewonnen zu haben. Für Weiland war dieses positive Feedback Anlass, Schulleitung und Lehrkräften anzubieten, den Austausch gerne auch im Sozialkundeunterricht anderer Klassenstufen fortzusetzen. Als kleines Andenken hatte er Aufkleber der Verbandsgemeinde Loreley mitgebracht, die bei den Jugendlichen mit Motiven rund um die Loreley großen Anklang fanden.
So wurde aus einer Berufsinformationsstunde eine Begegnung, bei der die Jugendlichen nicht nur etwas über einen ungewöhnlichen Berufsalltag erfuhren, sondern auch über Ausbildung, persönliche Interessen, Verantwortung und demokratische Mitbestimmung. Und Bürgermeister Mike Weiland nahm ebenfalls etwas mit: neue Perspektiven auf das eigene Amt – vermittelt durch die Fragen einer Generation, die gerade erst beginnt, sich mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen.
Foto: Antje Danhel
Bildunterzeile: Bürgermeister Mike Weiland genoss sichtlich die Schulstunde, der er gemeinsam mit den Siebtklässlerinnen und Siebtklässlern gestalten und Rede und Antwort stehen durfte. Für einen, der auch über Jahrzehnte hinweg Ferienfreizeiten in den großen Sommerferien betreut hat, war das im lockeren Gespräch mit den Jugendlichen eine tolle Abwechslung im Berufsalltag.
