Beim Neubau des Verwaltungsgebäudes der Verbandsgemeinde (VG) Loreley in der Wellmicher Straße in St. Goarshausen wird künftig eine markante Kunstinstallation den Eingangsbereich prägen. Das Preisgericht des Wettbewerbs „Kunst am Bau“ hat sich einstimmig für den Entwurf des Künstlers Christoph Mancke aus Lünebach entschieden.

Oft wird die Frage gestellt, ob Kunst am Bau in Zeiten knapper Kassen sein muss. Hintergrund ist jedoch die Verpflichtung zur künstlerischen Ausgestaltung öffentlich geförderter Hochbauten. Nach der Verwaltungsvorschrift zur „Künstlerischen Ausgestaltung öffentlich geförderter Hochbauten“ sind bei Bauwerkskosten von über 2,5 Mio. Euro grundsätzlich ein Prozent der Bausumme für Kunst am Bau vorzusehen. Für den Neubau des Verwaltungsgebäudes der VG Loreley ergibt sich hieraus ein Gesamtbetrag inkl. Nebenkosten von 59.238 Euro. Für den Wettbewerb und die Realisierung der Kunst am Bau wurde daher eine Umsetzungssumme von 50.000 Euro brutto bereitgestellt.
„Daher wird das neue Verwaltungsgebäude zwar schlicht, funktional und modern sein, aber auch durch die Kunst am Bau ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit unserer Heimat und den 22 Gemeinden und Städten setzen“, so Bürgermeister Mike Weiland nach der Jury-Entscheidung und fährt fort: „Der ausgewählte Entwurf greift die Landschaft und die besondere Lage am Rhein mit den Rheinhöhengemeinden eindrucksvoll auf und schafft zugleich einen einladenden Akzent für Bürgerinnen und Bürger.“
Der Wettbewerb wurde als nichtoffener Wettbewerb mit Künstlerliste ausgelobt. Die Auslobungsunterlagen wurden Anfang Februar 2026 an ausgewählte Künstlerinnen und Künstler versandt. Insgesamt gingen vier fristgerechte und vollständige Entwürfe ein, die durch ein Preisrichtergremium aus Fach- und Sachjuroren bewertet wurden.
Dem Preisgericht gehörten als Fachjuroren Gernot Meyer-Grönhof vom Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Rheinland-Pfalz (BBK RLP), Rainer Aepfelbach vom Berufsverband Kunsthandwerk Rheinland-Pfalz (BK RLP) sowie Kunstsachverständiger Detlef Kleinen aus St. Goarshausen an. Die Sachjury wurde durch Bürgermeister Mike Weiland als Vertreter der Ausloberin sowie Büroleiter Jan-Hendrik Clasen als Vertreter der nutzenden Verwaltung gebildet. Den Vorsitz des Preisgerichts übernahm Gernot Meyer-Grönhof.

Nach einem Informations- und Wertungsrundgang diskutierte das Preisgericht die eingereichten Arbeiten intensiv hinsichtlich ihrer gestalterischen Qualität, ihrer Aussagekraft sowie ihrer Einbindung in Architektur und Landschaft. Im zweiten Bewertungsdurchgang fiel schließlich die einstimmige Entscheidung zugunsten des Entwurfs mit der Kennzahl 300597, hinter der sich der Künstler Christoph Mancke verbarg.
Auch der Haupt-, Finanz- und Personalausschuss der VG Loreley, der aufgrund des Auftragsvolumens über die Vergabe entscheiden kann, hat sich dem Votum des Preisgerichts bereits einstimmig angeschlossen.

Der Siegerentwurf ist eine Hommage an das Mittelrheintal. Die rund 4,50 Meter hohe Skulptur soll künftig links neben der Zugangstreppe am Haupteingang des Verwaltungsgebäudes entstehen und Besucherinnen und Besucher bereits von der Bundesstraße 42 aus sichtbar zum Eingang führen. Vor dem Treppenaufgang wirkt sie wie ein Wächter. Durch ihre Grundausrichtung im 90-Grad-Winkel zum Gebäude und ihre Ausrichtung zum Rhein entsteht eine kraftvolle, nach vorne gerichtete Dynamik, die durch den dreieckigen Grundriss zusätzlich betont wird.
Inhaltlich nimmt die Skulptur Bezug auf die markanten Felsformationen, die rostbraunen Grauwackeberge mit schroffen Kanten und Graten prägen die dramatische Landschaft des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Die VG Loreley erstreckt sich von der hessischen Landesgrenze bei Flusskilometer 544 über den namensgebenden Berg, der Loreley, bei Kilometer 555 bis nach Braubach, wo sie bei Flusskilometer 582 endet. Der Künstler übersetzt diese Elemente in eine moderne, vertikale Formensprache. Die Konstruktion aus witterungsbeständigem Cortenstahl entwickelt mit der Zeit eine charakteristische rötliche Patina und ist besonders langlebig sowie wartungsarm.

Besonderer Bestandteil des Entwurfs ist die integrierte Lichtgestaltung: Beleuchtete Elemente symbolisieren das blaue Wasserband des Rheins sowie den sagenumwobenen Loreleyfelsen. Vor allem in den Abendstunden soll die Skulptur durch ihre wechselnden Ansichten und Lichtwirkungen neue Perspektiven eröffnen. Beim Näherkommen entsteht aus den beiden Flächen ein Winkel, der an einen gezackten Bergrücken erinnert. Die Skulptur fordert mit ihren wechselnden Tag- und Nachtansichten und den Veränderungen ihrer Silhouette immer wieder zu neuem Hinschauen auf. Zum Einsatz kommen energieeffiziente LED-Module in Niedervolttechnik.
Bei der Gestaltung waren neben der künstlerischen Qualität auch die besonderen Standortbedingungen zu berücksichtigen. Das Verwaltungsgebäude befindet sich im Überschwemmungsgebiet des Rheins, weshalb die Kunstinstallation hochwassergeeignet, langlebig und möglichst wartungsfrei ausgeführt werden muss. Ebenso sollte die Arbeit mit der modernen Architektur des Gebäudes und der besonderen Landschaftssituation harmonieren. Die Fertigstellung der Skulptur ist bis spätestens auch mit Abschluss der Arbeiten des Neubaus Ende des Jahres 2026 vorgesehen.