Wie können Unternehmen auch in Zeiten schneller Veränderungen zukunftsfähig bleiben? Und was braucht es, damit ein Betrieb den Übergang von einer Generation auf die nächste erfolgreich bewältigt? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das 13. Unternehmerforum der Verbandsgemeinde Loreley im Hotel Rheinkönig in Kamp-Bornhofen. Als Referent gab Till Wasner, Geschäftsführer der WIM GmbH, aus Lierschied, den teilnehmenden Unternehmerinnen und Unternehmern eine „Echte Perspektive“ auf die Herausforderungen, vor denen Unternehmen heute und morgen stehen.
Bereits die Ausgangslage macht deutlich, wie groß die Herausforderung ist: Bundesweit stehen nach den im Vortrag aufgegriffenen Zahlen in den kommenden fünf Jahren rund 186.000 Unternehmen vor einer Übergabe, bei denen die Nachfolge noch nicht geklärt ist. Gerade im ländlichen Raum sind die Auswirkungen spürbar. Ob Gastronomie, Handwerk, Handel oder andere mittelständische Betriebe – veränderte Märkte, fehlende Fachkräfte, steigende Kosten und sinkende Margen stellen viele Unternehmen vor die Frage, wie ihr Geschäftsmodell künftig aussehen kann. Wasner machte dabei deutlich, dass Veränderung nicht als einmaliges Ereignis verstanden werden könne. Vielmehr gehe es darum, Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen, Entscheidungen zu treffen und ins Handeln zu kommen. Sein beruflicher Schwerpunkt im Interimsmanagement führt ihn seit vielen Jahren in Unternehmen unterschiedlichster Branchen – von der Automobilzulieferindustrie bis zum Gesundheitssektor, von der Sanierung über Neuausrichtungen bis hin zu Führungswechseln. Auch internationale Mandate, unter anderem in Südkorea, gehören zu seiner Erfahrung.
„Survival of the fittest“ – aber was heißt das für Unternehmen?
Einen besonderen Blick richtete der Referent auf den Gedanken „Survival of the fittest“. Übertragen auf Unternehmen bedeute dies nicht, dass automatisch die Größten oder Stärksten am Markt bestehen. Zukunftsfähig seien vielmehr diejenigen, die Veränderungen früh erkennen und sich entsprechend weiterentwickeln. Die entscheidende Frage sei deshalb nicht: „Was hat bisher funktioniert?“, sondern: „Was wird künftig noch funktionieren?“ Kundenbedürfnisse verändern sich, neue Technologien entstehen, Wettbewerber treten anders auf, Kosten und regulatorische Anforderungen steigen und zugleich wird die Suche nach Fachkräften schwieriger. Wer diese Signale frühzeitig wahrnehme, verschaffe sich Handlungsspielraum. Wasner stellte deshalb vier miteinander verbundene Schritte in den Mittelpunkt: Markt beobachten, Geschäftsmodell prüfen, Organisation befähigen sowie lernen und handeln. Dabei müsse auch das eigene Leistungsversprechen immer wieder hinterfragt werden: Für wen arbeitet das Unternehmen? Welchen konkreten Nutzen bietet es? Welche Ressourcen und Strukturen sind dafür notwendig? Als praktisches Instrument stellte der Referent unter anderem das Business Model Canvas vor. Damit lasse sich das eigene Geschäftsmodell übersichtlich darstellen und auf Weiterentwicklungs- und Optimierungsmöglichkeiten untersuchen. Aus einem realistischen Blick auf das eigene Unternehmen könne so eine konkrete Zukunftsperspektive entstehen.
„Konzept statt Chaos und Zufall“
Unter der Überschrift „Konzept statt Chaos und Zufall“ ging Wasner anschließend auf die strategische Zukunftsplanung ein. Zukunftsfähigkeit entstehe dabei aus dem Zusammenspiel von fünf Stellhebeln: Geschäftsmodell, Strategie, Organisation, Führung und Umsetzung. Es gehe nicht darum, möglichst viele neue Vorhaben gleichzeitig anzustoßen. Viel wichtiger sei es, Prioritäten zu setzen, Verantwortung und Wissen innerhalb der Organisation zu verbinden und Veränderungen aktiv zu begleiten. Kleine Schritte und messbare Ziele könnten dabei helfen, aus einer strategischen Überlegung tatsächlich konkrete Veränderungen entstehen zu lassen. Ein besonders greifbarer Ansatz aus dem Vortrag lautete deshalb: „30 Tage – ein konkreter Schritt statt fünf neue Vorhaben.“ Der erste Schritt zur Zukunftsfähigkeit sei, den eigenen Standort zu bestimmen: Wo steht das Unternehmen heute? Welche Veränderung trifft es am stärksten? Welche Entscheidung darf nicht länger vertagt werden? Und was soll in den kommenden 30 Tagen konkret umgesetzt werden?
Generationsübergang ist ein Prozess
Ein weiterer Schwerpunkt des Unternehmerforums lag auf dem Generationsübergang. Gerade bei mittelständischen und familiengeführten Unternehmen müsse eine Übergabe langfristig vorbereitet werden. Unternehmerwissen, Kundenbeziehungen und Entscheidungswege seien nicht von heute auf morgen übertragbar. „Übergabe ist ein Prozess – kein Termin“, betonte Wasner. Verantwortung solle schrittweise übergeben und Wissen rechtzeitig gesichert werden. Dabei sei es wichtig, Eigentum, Führung und operative Verantwortung klar voneinander zu trennen. Ebenso müssten mögliche Konflikte und Blockaden früh angesprochen werden.
„Das Unternehmerforum soll nicht nur Informationen vermitteln, sondern Raum für den persönlichen Austausch schaffen. Gerade bei Themen wie Fachkräftesicherung, Unternehmensnachfolge und der Frage, wie wir unsere Betriebe für kommende Veränderungen aufstellen, ist der direkte Dialog besonders wertvoll“, erklärte Bürgermeister Mike Weiland nach der Veranstaltung. In der vorangegangenen Diskussion wurden die Impulse des Referenten unmittelbar auf die Situation in der Region übertragen. Dabei ging es unter anderem um Möglichkeiten, mit veränderten Arbeitszeitmodellen Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Auch die BUGA 2029 und die damit verbundenen Chancen für Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Mittelrheintal wurden angesprochen. Dabei wurde zugleich deutlich, dass Chancen nicht automatisch zu wirtschaftlicher Entwicklung führen, sondern von den Akteuren vor Ort erkannt und genutzt werden müssen. Für Weiland steht deshalb fest: „Wir brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereit sind, sich mit den Veränderungen auseinanderzusetzen und neue Wege auszuprobieren. Als Verbandsgemeinde wollen wir dafür mit unseren Unternehmerforen eine Plattform bieten – zum Zuhören, zum Diskutieren und vor allem zum Vernetzen.“ Das 13. Unternehmerforum knüpfte damit an den Anspruch der Verbandsgemeinde Loreley an, regionale Unternehmen nicht nur über aktuelle Entwicklungen zu informieren, sondern konkrete Impulse für die eigene Zukunftsplanung zu geben. Denn eine echte Perspektive entsteht dort, wo aus Erkenntnis Entscheidung und aus Entscheidung konkretes Handeln wird.
